Die Kirsche für unseren Edelbrand

Kirsche

Griechisch kerasos oder lateinisch cerasus war in der Antike allgemein der Ausdruck für Kirsche.

Vielleicht ist das Fehlen differenzierter Namen auch so zu deuten, dass die griechisch-römische Antike tatsächlich nur eine Kirschart und dann sicher die Süßkirsche als kultiviertes Obstgehölz kannte. Jedenfalls beziehen sich die bei Plinius zitierten Vorkommen von "prunus cerasus" in Britannien, Belgien und Germanien mit Sicherheit auf die Süßkirsche.

Der Kirschbaum als Steinobstgewächs aus der Familie der Rosengewächse hat seinen Ursprung in den kleinasiatischen Küstengebieten des Schwarzen Meeres genommen. Die Süßkirsche stammt ursprünglich aus Vorderasien und Südosteuropa. Sie ist die klassische Tafelkirsche und wird erst in voll ausgereiftem Zustand geerntet, da sie nicht nachreift. Wird sie zu früh gepflückt, verdirbt sie sehr schnell und kann ihren typischen Charakter nicht ausbilden.

Unter Alexander dem Großen haben Soldaten diese Obstart nach Griechenland und Italien gebracht, die Römer brachten sie später nach Mitteleuropa ins Land Germanien. Man kann annehmen, dass der Kirschenbaum früher hauptsächlich nur in den Gärten und Anlagen der Fürsten und Adligen kultiviert worden ist. Nach dem Vorbild von Versailles wurde es im Barock an Fürstenschlössern üblich, in "Orangerien" zu Repräsentationszwecken exotische und Wärme liebende Pflanzen zu kultivieren. Die Gärtnerei des Schlosses Sanssouci in Potsdam hat sich daneben besonders auf die Kultur von Kirschen spezialisiert. Friedrich II. legte großen Wert auf Obst und Gemüse und besonders auf Kirschen, die er zum einen selbst gerne verzehrte; zum anderen gehörte es auch zur standeswürdigen Reputation, möglichst lange im Jahr frisches Obst vorzuhalten. Den Einfallsreichtum seiner Gärtner spornte Friedrich u. a. dadurch an, dass er für Kirschen bis zum März 2 Taler pro Stück (!) abrechnete.